17. Januar 2011 09:57
Von: Wolfgang Reetz

Zeit gibt es eigentlich gar nicht

Es gibt Wege aus dem Hamsterrad zur Souveränität, die Ihnen und gleichzeitig Ihrem Unternehmen nutzen. Wenn man/frau nur will.

Zeit gibt es eigentlich gar nicht, es gibt nur Uhren. Unsere Meinung, unser Leben an Zeit koppeln zu müssen, besteht erst seit 300 Jahren – heute ist vielleicht der Punkt gekommen, wieder die Macht über die Zeit zu übernehmen. Zeit und auch Geld sind zwei künstlich geschaffene Faktoren. Artifiziell könnte man sagen, unnatürliche Kunstbegriffe und Erfindungen, die es außerhalb des Lebenskreises von Menschen nicht gibt. Gleichzeitig aber sind es die beiden Faktoren, die nahezu ausschließlich unseren Lebensverlauf bestimmen, denen wir uns beugen und an denen wir sogar in unserem Wert bemessen werden (und selbst alle Dinge bemessen).

Das Verständnis von Zeit ist unterschiedlich

Jeden Morgen ist es das gleiche: Die Dissonanz zwischen meiner Auffassung von Zeit und der der Kinder. „Ihr müsst pünktlich zur Schule und ich pünktlich zur Arbeit!“ – einer der am häufigsten gehörten Sätze im morgendlichen Chaos. Mit dieser Aufladung geht es dann in den Tag..... Immer häufiger aber stelle ich mir die Frage: Warum ist eigentlich meine Anbindung, ja fast Versklavung durch Zeit besser als die Auffassung der Kinder und deren Zeitempfinden?

Freud kam zu dem Schluss, dass Kinder (bis etwa zum 7.Lebensjahr) ein nahezu paradiesisch freies Zeitbewusstsein haben. Der Schweizer Schulreformer und Lernpsychologe Jean Piaget bemerkt, dass Kinder sich  eigene, dem Gefühl angepasste Zeitvorstellungen schaffen, die dann aber fast gewaltsam durch die vermeintlich bessere Erwachsenenwelt sanktioniert und rudimentiert werden. Was bleibt ist eine Zerstörung der „natürlichen Welt“.
Das erste System, Zeit zu messen, entstand durch menschliche, seinerzeit noch natürliche, Lebenszyklen. Wann habe ich Hunger, wann bin ich müde waren dabei wichtige Elemente.

Maßstab waren die Sonne und der Wechsel der Jahreszeiten: Zeit war gebunden an Geschehnisse im Lebensverlauf der Menschen. Die Lust, Zeit zu messen und zu bewerten war Wissenschaftlern wie Astronomen vorbehalten – wirklich wichtig war es nicht. Im 13. Jahrhundert waren es die Mönche, die für ihren Lebenszyklus die Zeit für Gebete messen wollten, um ihren frommen Pflichten nachkommen zu können, es entstand die Sanduhr, die die Zeit für die Gebetsstunden vorgab. Erst im 16. Jahrhundert prägte sich das Bestreben, Zeit zu bestimmen, immer stärker aus – und als um 1650 die erste Pendeluhr erfunden wurde hatte man endlich eine Maschine, die alle Erwartungen an „moderne Wissenschaft“erfüllt. Fortschritt war schon damals das Stichwort...

Doch bereits 1687 war es Isaac Newton, der Zeit in seinen Ausführungen Principia Mathematica abkoppelte und „als losgelöst betrachtete von allen äußeren und natürlichen Vorgängen“. Ihm war klar: Hier wurde etwas Unnatürliches zum Selbstverständlichen erhoben – die Folgen konnte er sicherlich damals noch nicht absehen. Erst während des Taylorismus (angelehnt an die Industriereformen von Frederick Taylor) erhob man Zeit für die Herstellung eines Gutes zum Maßstab, an dem letztlich Preise (für Konsumgüter) gemessen wurden. Seit dem wird Zeit mit Wert verknüpft, der Zusammenhang zu wirtschaftlichen Vorgängen war hergestellt.

Der künstliche Faktor "Zeit" übernimmt die Macht

Diese Verknüpfung bestimmt bis heute unser Leben. Man produziert (mit Hilfe der Technik) doppelt so viele Autos pro Stunde als noch vor Jahren – damit wurde die Stunde doppelt so viel wert. Durch diesen Prozess wurde Schnelligkeit zum Wert an sich. Im Laden kaufen wir Fertiggerichte, die per Mikrowelle in wenigen Minuten verzehrbereit sind, am Bankautomat bekommen wir Geld (den zweiten künstlichen Messfaktor) in Sekundenschnelle, die es können kaufen schnelle, teure Autos (und möchten daran ihren Wert gemessen wissen). In unserer Freizeit fahren wir lieber Speedboat als Ruderboot und planen oftmals minutiös, um „keine Zeit zu verschenken“. Als Autofahrer trommeln wir an der roten Ampel nervös mit den Fingern auf dem Lenkrad und spielen mit der Kupplung, damit es endlich grün wird und es weiter geht. Im Supermarkt wechseln wir in der Kassenschlange von einem Bein aufs andere und verfluchen innerlich die alte Dame vor uns, die vergaß den Blumenkohl zu wiegen oder die etwas länger braucht, den Kaufpreis in passendem Kleingeld aus ihrer Börse zu suchen, alles „vertane Zeit“. Effektiv soll es sein und  effizient: Der Freizeitstress war entstanden.

Wir splitten den Tag in kleine Einheiten, kämpfen uns zwischen Arbeit, Fußballtraining, Freundschaftspflege, Hausarbeit und Schulaufgaben (vielleicht sogar auch Spielen mit den Kindern..) durch die Stunden eines Tages, planen Wochenend- und Urlaubsaktivitäten wochen-, oft monatelang im voraus: Alles, um „die Zeit möglichst effektiv zu nutzen“. Doch je schneller alles wird, desto weniger nahmen wir unser Leben wahr: dazu ist keine Zeit!

Lennart Lundmark, Dozent für Geschichte an der Universität Lund, bemerkt: „Wir leben in einer Illusion. Wir glauben, dass wir in Zeit alles bemessen und rationalisieren können. Doch man kann weder Kinder nach dem Faktor Zeit betreuen, Zeit kranker Menschen analysieren noch ein Streichquartett rationalisieren. Nimmt man das halbe Orchester weg oder soll man sie etwas schneller spielen lassen? Gute Dinge brauchen eben ihre Zeit!“Schnelligkeit wird heute als Wert („Zeit ist Geld“) gesehen – ebenso im Umkehrschluss Langsamkeit als Handicap. Umso lesenswerter das aufsehenserregende Buch von Sten Nadolny „Die Entdeckung der Langsamkeit“! Schnelligkeit suggeriert uns ein Zeitgewinn – den wir dann sofort wieder verplanen, um Zeit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Welch absurder Denkansatz: Hier wird Lebensqualität ersetzt durch operative Hektik. Ebenso könnten wir die Uhren anhalten, um Zeit zu sparen! Doch letztlich haben wir alle die gleiche Zeit: die Spanne zwischen Geburt und Tod.

"Keine Zeit!" - die Ausrede

Die Aussage „Ich habe keine Zeit!“ ist damit hinfällig, solange wir leben – lediglich die Aussage „Ich habe meine Zeit für etwas anderes vorgesehen!“ ist legitim, häufig (für die, die sich in ihrer Lebenszeit extrem fremdsteuern lassen) auch „Meine Zeit ist von anderen für etwas anderes vorgesehen!“. Noch einmal Lennart Lundmark: „Die, die es können (zu unterscheiden von wollen!) springen aus dem System und ziehen aufs Land. Dort arbeiten sie von zuhause mit Hilfe der Technik (dem einzigen Sinn von Technik: eine dienende Funktion zum Menschen!) und greifen auf die Uhr zurück, wenn sie sie brauchen – zum Beispiel, um mit anderen Menschen zu kommunizieren.

Schon das bloße Bewusstsein, dass Uhren nichts Natürliches messen gibt uns eine neue Freiheit!“ „Leben ist das was passiert, während wir mit anderen Dingen beschäftigt sind“, so sieht es der Zeitforscher Jörgen Larsson. „Wir leben in einer Zeit, in der das, was wichtig aber nicht eilig ist (wie Familie, Freunde, Spiele, Erholung) fast immer hinter dem zurücksteht, was scheinbar wichtig und eilig ist, wie z.B. Karriere, Geld, Besitz – trotzdem das, was eilig ist, eigentlich nicht so wichtig ist.“ Um darüber aber für sich selbst urteilen und entsprechende Ausrichtungen vornehmen zu können, muss man wissen, was denn eigentlich wichtig für sich ist. Darüber Gedanken entstehen zu lassen und diese in nachhaltige Handlungen überzuleiten bedarf eines Zeitaufwandes und -vor allem- der Bereitschaft. Nahezu jeder wünscht sich mehr innere und äußere Zeit, weniger Hektik, ein bisschen weniger „Hamsterrad“ – tatsächlich aber füllen wir ohne Unterlass unsere Kalender, meistens mit Eiligem, selten mit Wichtigem; die Jagd geht weiter! Auch das ist ein Wert unserer Gesellschaft: Wer keine Zeit hat, gilt als gefragt und wichtig – wieder misst sich Wert an Zeit. Unnatürlich und absurd: Viele Menschen haben schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn sie mal „Zeit verbummeln“, wenn sie mal „nichts tun“ ( = keinen Nutzen oder Mehrwert generieren, nichts „schaffen“) um vielleicht ihre Gedanken zu ordnen oder auch einfach nur einen Sonnenuntergang zu genießen, einem Straßenmusikanten zuzuhören oder spielenden Kindern zuzuschauen.

Um Grenzen zu setzen oder zu verschieben aber bedarf es des Bewusstseins über das, was man will und das, was man nicht will. Sich der fremdsteuernden Umgebung hinzugeben und achselzuckend zu sagen: „Das ist eben so!“ mag ein Weg sein, der die Beschäftigung mit sich selbst, die Definierung seines Verständnisses von Leben und Lebensqualität (und damit gegebenenfalls auch das klare „Nein!“ an Anforderungen und Erwartungen aus dem Umfeld) umgeht und so zu einer ungestörten Bequemlichkeit und Harmonie mit eben diesem Umfeld führt. Gleichzeitig aber verliert man damit auf der anderen Seite die Legitimation, sich am Ende seiner Zeit über Versäumnisse und darüber, nie Zeit für das gehabt zu haben, was man eigentlich wollte und was einem eigentlich wichtig gewesen wäre, zu beklagen.

Es ist ein Privileg, Macht über seine Zeit zu haben – es ist eine Fähigkeit, sich  diese Macht zu nehmen.

Mit vielen Menschen aus Unternehmen bin ich in den letzten Jahren unterwegs gewesen um mit Ihnen hoch individuelle Möglichkeiten heraus zu finden, für sich aus einem hohen Maß an innerer Zufriedenheit diesen Faktor der eigenen souveränen Persönlichkeit neu zu definieren. Aus „burn-out“ und einer Schieflage, einem Ungleichgewicht, der „work-life-balance“wurde neue Kraft.
Sie haben es -für sich und / oder Ihre Mitarbeiter- in der Hand, dieses Ziel ebenfalls zu erreichen.

Wenn Sie das möchten, sind wir gerne für Sie da!


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